EMS Training – Eine „Wunderwaffe“?

Besteht das Leben aus elektrischen Impulsen?

Warum ist EMS-Training aktuell so populär und bringt es überhaupt was?

Ich war auf der FIBO 2016 sehr beeindruckt von der reinen „EMS-Halle“. Nie zuvor habe ich so eine Vielfalt an EMS-Trainingsmöglichkeiten und so viele EMS-Micro-Studiokonzepte gesehen. Wahnsinn.

Ich wußte gar nicht, was heute scheinbar alles möglich ist. Und natürlich wurde ich auch von meinen Klienten angesprochen. Sie kennen EMS-Training seit vielen Jahren durch das gemeinsame Personal Training. Sie kennen es aber nicht als eine Art „Heilsbringer“ für nahezu „alles“.

Ich nutze EMS-Training seit mehr als 7 Jahren in meinem Personal Training Konzept. Ein sehr aufschlussreicher und interessanter Vortrag von Frau Dr. Susanne Wiesner auf der Personal Trainer Conference 2011 (www.personal-trainer-conference.com) hat mich darin bestätigt, dass EMS-Training bei adipösen Menschen und bei Klienten mit Rückenbeschwerden eine hervorragende Ergänzung innerhalb meines Trainingskonzeptes darstellt. Diese Erfahrung bekam ich in all den Jahren seit dem ich es einsetze bestätigt.

Ich durfte aber auch noch einen weiteren für mich mittlerweile unverzichtbaren Vorteil dieser Trainingstechnologie feststellen. Ein Klient von mir leidet seit mehr als 30 Jahren an einer degenerativen Veränderung seines neurologischen Systems, welches von der Peripherie (Füße und Hände) aufwärts „wandert“. Es ist wie eine Art „ALS“ (Amyotrophe Lateralsklerose), es ist aber keine ALS. Betroffen sind beide Beine ab den Knien und leider seit 4-5 Jahren beginnend auch die Finger und Handgelenke. Kraftschwund, Ansteuerungsschwierigkeiten und Taubheit verbunden mit regelmäßigem Umknicken bestimmten seinen Alltag.

Da es leider keine Art „Strumpf-Fußmanschette“ im Programm der EMS-Hersteller gibt, funktionierten mein Klient und ich kurzerhand die vorhandenen Manschetten um. Die Weste legten wir auf den Boden und nahezu alles was geht, schicken wir an Strom an seine Beine, Unterschenkel und Füße. Es bleibt sozusagen keine Fläche frei, die nicht einen elektrischen Reiz erhält.

Nach ca. 6 Monaten stellte mein Klient erstmals seit Jahren eine Verbesserung der motorischen Ansteuerung fest. Weniger „Umschlagen“ der Füße, kombiniert mit einem sichereren Auftreten verbesserten seit dem nicht nur seine psychische Verfassung. Seine Lebensqualität und vor allem mehr Sicherheit im Alltag gaben und geben ihm ein viel besseres Lebensgefühl.

Ich hatte es vor dem EMS-Training auch mit klassischen Tens- und Stromtherapiegeräten probiert; leider ohne durchschlagenden Erfolg.

Nun soll dieser Beitrag keine „Werbeveranstaltung“ für EMS-Training oder einen bestimmten Hersteller sein. Allerdings beschäftigen mich einige Dinge rund ums EMS-Training sehr.

Ich habe das Gefühl, dass aktuell in den Medien EMS als „Wunderwaffe aller Gesundheitsprobleme“ dargestellt wird. Desweiteren wird EMS-Training ständig mit Personal Training in Zusammenhang gebracht, obwohl die meisten Konzepte es nicht im Personal Training einsetzen. Personal Training ist und bleibt 1:1. PUNKT! Wenn, dann sollten all die Microstudiokonzepte bitte von einem Kleingruppentraining freundlicherweise sprechen. Denn die Werbung: „Personal Training ab 19,90€ pro Stunde“ ist nicht nur irreführend, sondern schlichtweg blödsinnig. Und als drittes scheint ein Trend zu entstehen: EMS-Training kann jeder, selbst der Laie zu Hause. Gesteuert über Bluetooth wird mir als Endverbraucher klargemacht, dass ich gar keinen Trainer mehr brauche.

Dies halte ich neben einer Bluetoothtechnologie ebenso für naiv und fahrlässig. Ich kann daher nur jeden Personal Trainer und Endverbraucher empfehlen, sich eingehend mit allen Themen der Sicherheit und der professionellen Trainingskonzeption zu beschäftigen. Gleichzeitig schließe ich mich uneingeschränkt folgenden Gedanken zu „Safety first“ an, die federführend von mihabodytec, einem langjährigen und professionellen Hersteller von EMS-Geräten initiiert wurden:

  • Ein Ganzkörper-EMS Training muss immer mit Begleitung durch einen entsprechend ausgebildeten Trainer durchgeführt werden!
  • Bei jedem Neueinsteiger muss vor dem ersten Training eine Anamnese mit schriftlicher Abfrage der Kontraindikationen stattfinden.
  • Unabhängig vom körperlichen Status und der entsprechenden Nachfrage des Anwenders darf kein ausbelastendes Training während der ersten Trainingssession bzw. einem Probetraining stattfinden.
  • Die Trainingshäufigkeit darf bezogen auf die ersten 8-10 Wochen eine Trainingseinheit pro Woche nicht übersteigen.
  • Auch nach dieser Konditionierungsphase muss ein Abstand von ≥4 Tagen zwischen den Trainingseinheiten eingehalten werden um einer Akkumulation von Muskelzerfallsprodukten vorzubeugen, Regeneration und Anpassung zu sichern und somit den Trainingserfolg zu gewährleisten.
  • Der Personal Trainer hat sich während der Trainingssession ausschließlich um die Belange des Klienten zu kümmern.
  • Während des Trainings sind die Bedienelemente des Gerätes für den Trainer und auch für den Trainierenden jederzeit direkt erreichbar. Deshalb kommt für mich keine Bluetooth-Technologie in Frage.

Ich möchte nochmals betonen, dass ich EMS-Training für eine hervorragende Ergänzung innerhalb eines ganzheitlichen Trainings- und Gesundheitskonzeptes ansehe. Ich verstehe Kollegen, die sagen: „Nicht mein Thema.“ Uns allen, die EMS anwenden, empfehle ich dringend, unsere Klienten aufzuklären und professionell zu beraten. Es ist kein „Heimtrainingsgerät“, welches jeder mal abends während des TV-Konsums anwenden kann bzw. auch kein Allerheilmittel.

Gleichzeitig möchte ich jedem Personal Trainer empfehlen, die gesamte Bandbreite eines EMS-Trainings auszuschöpfen. Es bietet so viele Möglichkeiten, um einen Klienten im Personal Training betreuen zu können. Wiegesagt, 1:1.

Alle „Sicherheitsrichtlinien“ findest Du hier… (Quelle: EMS-Magazin / miha bodytec)

2 Kommentare
  • Jan Ising
    Veröffentlicht um 09:50h, 18 Juli Antworten

    Hallo Eginhard,
    Deine Argumentation würde ich gerne in eine Diskussion führen.

    Grundsätzlich stimme ich dir zu.
    Ganzkörper EMS ist kein Gadget und daher auf jeden Fall ein Trainingsgerät welches mit umsichtiger und verantwortungsvoller Beratung einzusetzen ist.

    Aber dies schließt eine private Nutzung nicht aus wenn ein Nutzer vernünftig an das Training und die Möglichkeiten herangeführt wurde.
    Und – richtig -, es eignet sich vielleicht nicht für jeden.

    Einfache Bewegungsabläufe mit moderater Intensität, wie laufen, joggen, Treppen steigen, spazieren gehen, Wohnung putzen, Liegestütze, Schattenboxen,… Dies kann jeder EMS Nutzer ohne Probleme mobil 2-3x pro Woche zuhause absolvieren um wirklich etwas zu erreichen. Und Fitnessprofis können damit noch viel mehr in ihren persönlichen workout erreichen
    Bewegung

    Maximale Intensität, komplexe Bewegungsabläufe und Haltungsübungen sollten dagegen immer mit einem betreuenden Trainer absolviert werden.
    Das ist im klassischen Fitness, im Leistunssport, beim Autofahren und Motorsport nicht anders.

    Damit wird ein Trainer wieder zum Trainer und weniger zum Gerätevermieter.
    Kunden nutzen Ihr persönliches System im Training mit dem Trainer und steigern Ihre Erfolge zuhause auf Basis der Pläne des betreuenden Trainers.

    Ich habe mich ja nun bekannterweise nach über 10 Jahren mit eigenen EMS Studios in der Entwicklung und den Vertrieb des 1. professionellen, dynamischen drahtlosen EMS System, dem EasyMotionSkin positioniert.
    Wichtig ist sicher dabei, das Vertrieb, Beratung und Einschulung ebenso wie weitere Trainingsberatung professionell erfolgen.

    Und eben deshalb gibt es ein Hochleistungssystem wie den EasyMotionSkin auch NUR über Trainer, Studios und zertifizierte Kundenberater zu erwerben.

    Alle anderen aktuell sichtbaren Argumentationen erscheinen mir verständlich / verzweifelte Versuche einen Generationswechsel zu vermeiden.
    Dabei verlieren die klassischen, verkabelten System und Studios in keiner Weise Ihre Berechtigung wenn diese von Profis geführt werden (Leider nur selten der Fall).

    Eine Ergänzung um einen EasyMotionSkin in jedem EMS Studio eröffnet neue Märkte, neue Zielgruppen, weitere Kapazitäten und unterstreicht die Beratungskompetenz des einzelnen Trainers/Betreibers.

    • businesscoach
      Veröffentlicht um 12:05h, 18 Juli Antworten

      Hallo Jan,

      vielen Dank für Deinen guten und klärenden Beitrag. Und ich stimme Dir auch zu, dass unsere Klienten ein EMS System selbstständig einsetzen können, denn ein Klient von mir, genau der beschriebene mit den neurologischen Beschwerden, nutzt es für sich. Wir trainieren 2x wöchentlich zusammen, trainieren Alltagsbeweglichkeit, Stabilität, Kraft – vieles mit funktionellen Körperübungen – und am Wochennde nutzt er das EMS Training für seine Füße und Unterschenkel. Somit erzielen wir aktuell die besten Erfolge.

      Mein Klient wurde von mir in allen Details eingewiesen, wir haben selber 6 Monate zusammen EMS trainiert und erst dann nutzte er es alleine.

      Wir sind uns beide einig, wie sicherlich viele professionelle PTs, dass es eben genau nur angewendet werden soll, wenn der Klient vertraut damit ist und es zu bedienen weiß.

      Ärgerlich ist nur die zT vermittelte Darstellung, dass es jeder zu Hause anwenden kann.

      Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg.

      Sonnige Grüße
      Eginhard

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