Steuerliche Aspekte im Personal Training

Gewerbebetrieb ja oder nein? Umsatzsteuerpflichtig oder nicht? Welche Steuern müssen Personal Trainer zahlen?

Folgenden Beitrag “Steuerliche Aspekte im Personal Training” habe ich im August 2018 für das Trainer Magazin geschrieben, den ich hier in meiner Ur-Form gerne veröffentlichen möchte.

Mit Steuern will sich keiner von uns beschäftigen. Und doch müssen wir es. Sie rauben uns manchmal den letzten Nerv, können uns in den finanziellen Ruin führen, sind oftmals missverständlich und doch sichern sie unser aller Wohlstand.

Dabei ist doch im Grunde alles ganz einfach. Als Personal Trainer und Coach müssen wir Einkommenssteuer und Umsatzsteuer zahlen und ggf. noch die Gewerbesteuer. Fertig. Unser aller großes Problem ist, dass der Beruf des Personal Trainers beim Finanzamt nicht wie z.B. der Physiotherapeut oder Fitnesstrainer steuerrechtlich hinterlegt ist. Bei den beiden Berufsgruppen ist alles geregelt und jeder von uns weiß, wie er dran ist. Beim Personal Trainer sieht es völlig anders aus und daher kann ich in diesem Beitrag auch keine rechtsverbindliche Auskunft geben, ganz abgesehen, dass ich es gar nicht darf. Mein Steueranwalt sagte vor kurzem jedoch zu mir, dass er noch von maximal drei bis fünf Jahren Unsicherheit ausgeht, dann ist auch das mit deutscher Steuergründlichkeit geklärt.

Der Status quo

Die Einstufung des Personal Trainer Berufs wird von Finanzamt zu Finanzamt unterschiedlich gehandhabt, doch oftmals als Gewerbesteuerbetrieb festgelegt. Dies beurteilen leider bis heute auch viele Steuerberater so. Ich persönlich sehe das ganz anders. Wir sind Freiberufler! Jetzt fragen Sie sich ggf., warum ich das behaupte. Behaupten deswegen, weil ich 2012 eine umfangreiche Steuerprüfung hatte und mein Finanzamt diesen Status so seit dem akzeptiert.

Was ist der Unterschied zwischen dem freiberuflichen Personal Trainer und einem gewerbetreibenden? Als Freiberufler zahlen wir Einkommenssteuer und Umsatzsteuer. Als Gewerbetreibender zahlen wir Einkommenssteuer, Umsatzsteuer und zusätzlich Gewerbesteuer. Wir haben also eine höhere Steuerlast, auch wenn zu bestimmten Teilen die Gewerbesteuer der Einkommenssteuer angerechnet wird. Da ich ungern zu viel Steuern zahle, hat das für mich eine hohe Relevanz. Je nach Gewinnhöhe, kann das schnell mal 5.000€, 10.000€ oder gar 20.000€ zusätzliche Steuerzahlungen sein und das ist zugegebenermaßen unternehmerisch nicht sinnvoll, wenn ich es als Freiberufler nicht zahlen müsste.

 

Der Personal Trainer als Freiberufler

Wie oben bereits beschrieben, sind wir meiner Meinung nach Freiberufler. Warum? Wie werden freiberufliche Tätigkeiten beschrieben?

Freiberufliche Tätigkeiten sind selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende, erzieherische oder sehr ähnlich gelagerte Tätigkeiten, die nicht der Gewerbeordnung unterliegen.

Ich kann also als Personal Trainer sehr gut argumentieren, dass ich unterrichtend und erzieherisch tätig bin. Somit sind schon einmal zwei wesentliche Punkte gegeben.

Freiberufler unterscheiden sich außerdem nach Meinung des Bundesverfassungsgerichts insbesondere durch folgende Merkmale von anderen Unternehmern:

  • die besondere berufliche Qualifikation oder schöpferische Begabung.
  • die besondere Bedeutung der persönlichen, eigenverantwortlichen und fachlich unabhängigen Erbringung der Arbeit
  • das häufig höchstpersönliche Vertrauensverhältnis zum Auftraggeber
  • sie stehen in einem dualen, häufig auf Dauer angelegten, psychosozialen Vertrauensverhältnis zu ihren Patienten, Klienten oder Mandanten
    die ggf. stattliche und berufsautonome Reglementierung der freien Berufe

Von diesen fünf Merkmalen, erfüllen wir vier! Das finde ich viel und durch die Aussage des Bundesverfassungsgerichtes wie die beiden oben angeführten Eigenschaften, sollte das jedes Finanzamt akzeptieren. Ich muss allerdings an dieser Stelle auf etwas sehr wichtiges hinweisen: Plädieren wir auf eine unterrichtende Tätigkeit, dann sind wir im Umkehrschluss automatisch rentenversicherungspflichtig. Dazu später noch mehr.

Warum werden oftmals Personal Trainer als Gewerbebetrieb eingestuft?

Die Berufe „Fitnesstrainer“ und „Coach“ sind beim Finanzamt als gewerbliche Tätigkeit klar definiert. Da die meisten Sachbearbeiter und Steuerberater den Beruf „Personal Trainer“ mit Fitnesstrainer gleichsetzen, liegt also diese Beurteilung nahe. Natürlich sollte für eine steuerliche Beurteilung nicht eine Vermutung verantwortlich sein, zumal die fachliche Grundqualifikation sehr vielseitig und entscheidend sein kann. Der klassisch ausgebildete „Dipl. Sportlehrer“ hat hier einen klaren Vorteil, da dieser meist als unterrichtend eingestuft wird und unterrichtende Tätigkeiten sind steuerrechtlich wie bereits erwähnt freiberuflich. Ebenso gewerbesteuerbefreit ist der Physiotherapeut, da auch dieser grundsätzlich Freiberufler ist.

Was kennzeichnet außerdem einen Gewerbebetrieb bzw. welche Berufe sind gewerbesteuerpflichtig?

  • Absicht auf Gewinnerzielung
  • Berufe unterliegen der Gewerbeordnung
  • meist Ansiedlung in sog. Gewerbegebieten und somit die Nutzung der dortigen Infrastruktur
  • z.B. Handelsbetriebe (Verkauf von Trainingsequipment) oder üben Vermittlungstätigkeiten (Personal Trainer Agentur) aus
    Berufe wie z.B. Coach, (Ernährungs-)Berater, Masseur etc.
  • beratende Berufe

Fakt ist auch Folgendes: Da viele Personal Trainer sich als „Coach“ titulieren, es auf ihre Visitenkarte oder Homepage schreiben, sind diese automatisch gewerbesteuerpflichtig. Ich empfehle dringend, dass unter den genannten Aspekten zu überdenken.

Was ergibt sich daraus?

Die Konsequenz ist, dass der Beruf des Personal Trainers beide Einkunftsarten berührt. Das ausschlaggebende Entscheidungskriterium für die Freiberuflichkeit ist die geistige und schöpferische Arbeit, die bei einer freiberuflichen Tätigkeit im Vordergrund steht. Argumentiere ich im Sinne des „unterrichtenden“ Personal Trainings, dann erfordert dies außerdem ein schulmäßiges allgemeingültiges Programm in einem bestimmten Fachgebiet. Daraus ergibt sich, dass wir dem Finanzamt gegenüber einen minutiösen Stundenablauf idealerweise von 1,2 oder 3 Trainingseinheiten nachweisen können. All das reicht, wenn es auf dem PC abgespeichert und beim Steuerberater hinterlegt ist. Somit habe ich zur Sicherheit bei einer Steuerprüfung alles vorliegen.

Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass dies die notwendige Vorgehensweise ist, wenn wir die Gewerbesteuerpflicht umgehen wollen. Desweiteren ist es wichtig zu wissen, dass wenn ich neben meinem Personal Training z.B. Trainingsgeräte verkaufen oder Ernährungsberatung anbieten möchte, dass ich dann beide Berufsfelder voneinander trennen muss. Mein Personal Training ist freiberuflich. Ernährungsberatung oder Verkauf gewerblich. Deswegen benötigen wir zwei separate Konten und zwei Geschäftsauftritte. Sonst laufen wir Gefahr, unter die sog. „Abfärbetheorie“ zu fallen, die ab 2% vom Gesamtumsatz zum tragen kommt.

 

Das Resümee

Blauäugig sollten wir uns nicht als Personal Trainer selbstständig machen. Jeder von uns sollte einen Steuerberater an seiner Seite haben, der einen die wichtigsten Details erläutern kann und uns optimal berät. Wenn Sie noch keinen Steuerberater haben sollten, dann suchen Sie sich einen dringend – morgen. Dieser sollte sich idealerweise bereits mit Personal Trainern auskennen. Und bitte überlegen Sie nicht: „Das kann ich mir nicht leisten, ich mache das lieber alleine.“. Wohin das führen kann, belegen mehrere Firmenpleiten von Kollegen. Wir wollen ja schließlich auch, dass sich ein Klient einen qualifizierten Gesundheitsexperten sucht.

Bedenken Sie bitte, dass Sie bei einer unterrichtenden Tätigkeit rentenversicherungspflichtig sind. Dies umgehen Sie z.B. indem Sie einen Mitarbeiter über 450€ einstellen. Dazu gab es im Trainer Magazin (Nr. …) einen Beitrag von Marco Adebar.

Planen Sie gründlich Ihr Personal Training Business und dazu gehört u.a. auch die gesamten steuerlichen Aspekte. Sicherlich müssen wir nicht alles bis ins Detail verstehen, aber die Grundlagen definitiv. Falls Sie Fragen haben sollten, dann melden Sie sich gerne. Ich wünsche Ihnen von Herzen Erfolg und einen stressfreien Umgang mit den Themen Steuern und Finanzamt.

Ich hoffe, dass ich Dir wesentliche Anregungen und Einblicke in dieses nicht zu unterschätzende Thema geben konnte. Wiedersagt, oftmals werden Personal Trainer falsch beraten und der Schaden daraus kann schnell in die tausende Euros gehen. Sei also achtsam!

Wenn Du Fragen an mich hast oder eine Beratung zu diesen Themen suchst, dann kontaktiere mich gerne oder besuche eines meiner Webinare zu diesem Thema.

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